Orkantief FRIEDERIKE

Stärkstes Sturmereignis seit KYRILL

Mit FRIEDERIKE fegte am Donnerstag, dem 18. Januar bereits das zweite Orkantief über weite Teile Deutschlands. Schon am 3. Januar hatte das erste Sturmereignis des Jahres 2018 – Orkantief BURGLIND – in West-, Mittel- und Südeuropa zu erheblichen Schäden geführt. Orkan FRIEDERIKE hat jedoch Schäden in einem Ausmaß hinterlassen, die seit dem Orkan KYRILL, der exakt 11 Jahre zuvor, am 18. Januar 2007, über Deutschland wütete, kein Wintersturm mehr in Deutschland verursacht hatte. Gingen erste Branchenschätzungen noch von einem versicherten Schaden von rund 500 Millionen Euro aus, erwartet die Deutsche Rück nach eigenen Hochrechnungen einen versicherten Marktschaden in Deutschland im Bereich von 1 Milliarde Euro.

Bei FRIEDERIKE traten hohe schadenbringenden Windböen in einem begrenzten, etwa 200 km breiten Streifen hinter der Kaltfront des Tiefs auf, der sich von Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen zog. Nördlich und südlich des Streifens fielen die Windwerte schnell ab und lagen meist deutlich unter 100 km/h. Damit ist die Lage von FRIEDERIKES Kernzone durchaus vergleichbar mit der des Kyrill-Windfelds, das allerdings weniger stark nach Norden und Süden abfiel. Zudem war Kyrill begleitet von schweren Gewittern und Tornados. Die Spitzengeschwindigkeiten der Orkanböen bei FRIEDERIKE waren lokal zum Teil höher als bei KYRILL – auf dem Flughafen Leipzig/Halle wurden beispielsweise nahezu 129 km/h gemessen, bei KYRILL waren es knapp 112 km/h. Dennoch fallen die Schäden niedriger aus als bei KYRILL, der im Jahr 2007 in Deutschland versicherte Schäden von über 2 Milliarden Euro hinterließ.

Die Auswirkungen von FRIEDERIKE waren bundesweit zu spüren. Am stärksten waren Nordrhein-Westfalen, Südniedersachsen, Nordhessen, das südliche Sachsen-Anhalt sowie Thüringen und Sachsen betroffen. Vielerorts wurden Bäume entwurzelt, Äste abgerissen, Zäune, Baugerüste und Verkehrsschilder umgeweht sowie Dächer abgedeckt. Aus etlichen Städten der Rhein-Ruhr-Region wurden massive Gebäudeschäden gemeldet. Oft betrafen sie Schulen und öffentliche Einrichtungen. In Kaarst bei Düsseldorf musste das erst kürzlich neu eröffnete IKEA-Möbelhaus evakuiert und geschlossen werden, weil Teile der Fassade weggebrochen waren. Im gesamten Bundesgebiet sorgte der Orkan für massive Verkehrsbehinderungen und etliche Autobahnsperrungen. Nach ersten Teilsperrungen im Nah- und Fernverkehr, stellte die Deutsche Bahn am Nachmittag den Fernverkehr im gesamten Bundesgebiet ein. Durch Schäden an Stromleitungen waren tausende Haushalte zeitweise ohne Strom. Feuerwehr und Rettungskräfte waren im Dauereinsatz. Der schwerste Orkan seit KYRILL kostete in Deutschland acht Menschenleben, zahlreiche Personen wurden verletzt.

Dr. Matthias Klawa

Meteorologe und Spezialist für Naturgefahren im NatCat-Center

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