Das Wetter 2015

Winterstürme, Temperaturrekord und Tornados

Von schweren Winterstürmen über Tornados bis hin zu Rekord-Temperaturen – das Wettergeschehen in Deutschland hatte 2015 einiges zu bieten. Das mit Abstand schadenträchtigste Ereignis war der Orkan NIKLAS Ende März, am spektakulärsten aus meteorologischer Sicht waren drei starke Tornados im Mai. Am 5. Juli war es so heiß und im November sowie Dezember so mild wie nie. In der Zeitreihe der wärmsten Jahre seit Messbeginn im Jahr 1881 belegt 2015 den zweiten Platz.

Details zu den Wetter-Ereignissen des vergangenen Jahres bietet die Deutsche Rück wie jedes Jahr in ihrer Sturmdokumentation mit ausführlichen Monatsüberblicken und Analysen der wichtigsten Elementarschadenereignisse in Deutschland. Die Sturmdokumentation erscheint in Kürze. Wir benachrichtigen Sie gern. Schreiben Sie uns einfach eine kurze Mitteilung!

Einen ersten Überblick haben unsere Geowissenschaftler heute schon für Sie.

Bereits am 9. und 10. Januar sorgten die Orkantiefs ELON und FELIX vor allem in Norddeutschland für zahlreiche umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer. Auf einen milden Januar und einen winterlich-kalten Februar folgte ein überwiegend freundlicher wie milder März, der aber stürmisch endete: Orkan NIKLAS erfasste am letzten Tag des Monats die gesamte Bundesrepublik und verursachte versicherte Schäden in Höhe von 750 Millionen Euro. NIKLAS war damit der schadenträchtigste Wintersturm in Deutschland seit KYRILL (18. Januar 2007).

Nach sonnig-trockenem Frühlingswetter im April brachte der Mai Unwetter: Am 5. Mai traten schwere Gewitter und mehrere Tornados in Norddeutschland auf (Tief ZORAN). Die Kleinstadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern wurde an diesem Tag von einem F3-Tornado (254 – 332 km/h) verwüstet. Nur acht Tage später – am 13. Mai – folgten zwei weitere F3-Tornados (Tief BENEDIKT). Einer davon zerstörte zahlreiche Gebäude in mehreren Gemeinden nördlich von Augsburg.

Sehr warm war es phasenweise im Juni, so richtig heiß wurde es aber erst Anfang Juli: Mit 40,3 °C wurde am 5. Juli im unterfränkischen Kitzingen ein neuer offizieller Rekord der Tageshöchsttemperatur in Deutschland aufgestellt. Kurz darauf sorgten schwere Gewitter im Zusammenhang mit den Tiefs SIEGFRIED und THOMPSON vielerorts für Schäden. Auch der August verlief ausgesprochen warm. Nach dem Jahr 2003 war es der zweitwärmste August in Deutschland und zusammen mit den beiden Vormonaten der drittwärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn 1881.

Die ersten Herbstmonate verliefen etwas zu kühl, zu trocken und zu trüb, und Mitte Oktober gab es an vielen Orten Deutschlands einen außergewöhnlich frühen, wenn auch nur kurzen Wintereinbruch. Dafür wurde es im November extrem mild: Es war der wärmste November seit Messbeginn. Am Monatsende sorgten die Stürme NILS und OSKAR für einige Schäden. Der Dezember hatte viel Sonne und frühlingshafte Temperaturen zu bieten: Mit einer positiven Abweichung von 5,3 °C gegenüber dem Mittel 1981 – 2010 war es mit Abstand der wärmste Dezember seit mindestens 135 Jahren.

Nach dem Rekordjahr 2014 war 2015 in Deutschland zusammen mit den Jahren 2000 und 2007 das zweitwärmste Jahr seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Mit 9,9 °C betrug die Abweichung 1,0 °C gegenüber dem langjährigen Mittelwert 1981 – 2010. Mit 1 743 Stunden war es im deutschlandweiten Mittel überdurchschnittlich sonnig und mit 699 l/m² Niederschlag 13,0 % trockener als sonst.

In absolut bemerkenswerte Höhe stieg 2015 das Jahresmittel der globalen Oberflächentemperatur: Mit einer Abweichung von 0,76 ± 0,09 °C gegenüber dem Referenzwert von 14,0 °C (1961 – 1990) war es auf der Erde so warm wie nie zuvor seit 1850. Neben dem anthropogen bedingten Klimawandel war die Entwicklung einer sehr starken El- Niño-Phase hierfür verantwortlich. Bei diesem Phänomen kommt es zu einer starken positiven Temperaturanomalie im Ost-Pazifik, die Auswirkung auf die atmosphärische Zirkulation hat und zu einer zeitweiligen Erhöhung der globalen Temperatur führt (WMO 2016).



Dr. Thomas Bistry

Geologe und Spezialist für Naturgefahren im NatCat-Center

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Dr. Matthias Klawa

Meteorologe und Spezialist für Naturgefahren im NatCat-Center

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